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Der Gebrauch des Passivs

Passiv wird besonders dann benutzt, wenn ..:

unbekannter Urheber oder uninteressanter Urheber

Wenn der Urheber einer Aktion nicht bekannt ist.

Beispiel 1: unbekannter Urheber
Mein Auto wurde gestohlen.
(= Ich weiß nicht, w e r mein Auto gestohlen hat.)

Beispiel 2: unbekannter Urheber
An dem Haus wurden alle Fensterscheiben eingeworfen.
(= Ich weiß nicht (Niemand weiß), w e r die Fensterscheiben an dem Haus eingeworfen hat.)

Oder wenn der Urheber einer Aktion nicht interessiert.

Beispiel 1: uninteressanter Urheber
Mein Auto wurde repariert.
(= W e r das Auto repariert hat, ist uninteressant.)

Beispiel 2: uninteressanter Urheber
In unserem Stadtviertel wurde ein neuer park angelegt.
(= W e r den Park angelegt hat, ist uninteressant.)

verallgemeinerter Urheber

Wenn man eine allgemeine Aussage macht. (Anstelle des unpersönlichen Pronomens man)

Beispiele: allgemeine Aussage
In Deutschland wird viel Kaffee getrunken.
(= In Deutschland trinkt man viel Kaffee.)
In Deutschland wird immer weniger Fleisch gegessen.
(= In Deutschland isst man immer weniger Fleisch.)

Erhalt der Themastruktur

Wenn die Themastruktur einer Erzählung erhalten werden soll.

Beispiel: Erhalt des Themas = “ich”
Ich war gestern in der Stadt. Plötzlich wurde ich von einem Radfahrer angefahren.
vgl. Themawechsel = “ich” – “ein Radfahrer”
Ich war gestern in der Stadt. Plötzlich hat mich ein Radfahrer angefahren.

Neues passives Thema

Wenn ein neues „passives Thema“ eingeführt werden soll.

Beispiel: Thema = “mein Freund”, neues Thema = “ich”
Mein Freund hat das Abitur gemacht. Ich wurde schon nach der 11. Klasse von der Schule geworfen.

(unhöfliche) Aufforderung

Wenn das Passiv als unhöfliche Aufforderung gemeint ist. (Passivsätze ohne Nominativ)

Beispiele: (unhöfliche) Aufforderung
Jetzt wird (aber) gearbeitet!
Jetzt wird (aber) geschlafen!
Jetzt wird nicht mehr diskutiert!

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4 Kommentare… add one
  • Stefanie 19. Februar 2013, 11:56

    Danke für den Tipp! Manchmal reicht ja schon so ein witziger Vergleich um die Motivation wieder anzukurbeln ;)

    Viele Grüße
    Stefanie

  • Uli Mattmüller 19. Februar 2013, 12:04

    Und manchmal hilft es, wenn man sich a u c h blöd stellt. ;-)

  • Stefanie 18. Februar 2013, 15:08

    Hallo Uli,

    zuerst ein riesen Lob für diese Seiten, sie helfen mir unheimlich bei der Vorbereitung meiner Unterrichtsstunden DaF für Studierende (A2-C1)! Eine Frage zum Passiv:
    Bei der Einführung des Passiv zur Verallgemeinerung fragte mich die Schülerin, warum sie das nicht einfach mit “man” ausdrücken könne (also anstatt “in Deutschland wird viel Kaffee getrunken”: “man trinkt viel Kaffee in Deutschland”). Ich sagte, dass es richtig sei, aber den Unterschied im Gebrauch bzw. die Notwendigkeit das Passiv zu erlernen konnte ich ihr nicht so recht klarmachen. Hast du einen tipp für mich?

    Viele Grüße
    Stefanie

  • Uli Mattmüller 18. Februar 2013, 19:20

    Hallo Stefanie,

    erst mal vielen Dank für das Lob! Ich denke auch, dass man Verallgemeinerungen genauso mit Aktiv und “man” ausdrücken kann. Vielleicht hilft der Schülerin ja der Hinweis, dass sie sehr wahrscheinlich auch nicht nur ein Paar Schuhe, eine Jacke, einen Teller, etc besitzt, obwohl es das ja auch tun würde. ;-)

    Auch in der Sprache kann man Gleiches auf verschiedene Arten ausdrücken. Das hat man nicht nur hier, sondern auch z.B. bei der Zukunft (Präsens plus Adverb oder Futurform), bei Besitzangaben (Genitiv oder Präposition von) und in zahlreichen anderen Situationen.

    Und das Passiv muss/sollte man sowieso lernen, da es in anderen Situationen noch nützlicher ist als hier (s.o.) …

    Viele Grüße und weiterhin viel Spaß mit der Deutschen Grammatik 2.0!

    Uli

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