Die Umformung von direkter in indirekte Rede



Verb und Pronomen

Bei der Umformung von direkter Rede in die indirekte Rede wird das Verb vom Indikativ in den Konjunktiv I und die Pronomen von der ersten in die dritte Person gesetzt.

Beispiel: Verb und Personalpronomen
direkte Rede: Thomas: „Ich bin neu in der Stadt.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er sei neu in der Stadt.

Beispiel: Possessivpronomen
direkte Rede: Thomas: „Meine Frau ist hier geboren.“
indirekte Rede: Thomas sagt, seine Frau sei hier geboren.

Beispiel: Reflexivpronomen
direkte Rede: Thomas: „Ich kenne mich in der Stadt noch nicht gut aus.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er kenne sich in der Stadt noch nicht gut aus.

Das gilt für alle Kasus:

Beispiel: Nominativ (Personalpronomen)
direkte Rede: Thomas: „Ich bin neu in der Stadt.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er sei neu in der Stadt.

Beispiel: Akkusativ (Personalpronomen)
direkte Rede: Thomas: „Meine Frau kritisiert mich manchmal.“
indirekte Rede: Thomas sagt, seine Frau kritisiere ihn manchmal.

Beispiel: Dativ (Personalpronomen)
direkte Rede: „Meine Frau schimpft manchmal mit mir.“
indirekte Rede: Thomas sagt, seine Frau schimpfe manchmal mit ihm.

Tempus

Alle Vergangenheitsformen des Indikativs (Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt) werden in Konjunktiv I Vergangenheit umgewandelt.

Beispiel: Perfekt
direkte Rede: Thomas: „Ich bin vor zwei Monaten hierher gekommen.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er sei vor zwei Monaten hierher gekommen.

Beispiel: Präteritum
direkte Rede: Thomas: „Bis dahin lebte ich in Norddeutschland.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er habe bis dahin in Norddeutschland gewohnt.

Beispiel: Plusquamperfekt
direkte Rede: Thomas: „Als kleines Kind war ich mit meinen Eltern in den USA gewesen.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er sei er mit seinen Eltern in den USA gewesen.

Präsens, Futur I und Futur II Indikativ werden in die entsprechenden Konjunktiv-I-Formen umgewandelt.

Beispiel: Präsens
direkte Rede: Thomas: „Ich komme aus Norddeutschland.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er komme aus Norddeutschland.

Beispiel: Futur I
direkte Rede: Thomas: „Meine Frau wird ab Januar mit dem Baby zu Hause bleiben.“
indirekte Rede: Thomas sagt, seine Frau werde ab Januar mit dem Baby zu Hause bleiben.

Beispiel: Futur II
direkte Rede: Thomas: „Ich werde meine Promotion in zwei Jahren abgeschlossen haben.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er werde seine Promotion in zwei Jahren abgeschlossen haben.

Das Verb möchten in der indirekten Rede

Aus dem Modalverb möchten wird in der indirekten Rede wollen.

Beispiel: möchten – wollen
direkte Rede: Thomas: „Ich möchte nur zwei Jahre hier bleiben“
indirekte Rede: Thomas sagt, er wolle nur zwei Jahre hier bleiben.

Konjunktiv II

Wenn in der direkten Rede bereits ein irrealer Konjunktiv II steht, wird dieser nicht umgewandelt.

Beispiel:
direkte Rede: Thomas: „Ich würde gern ins Ausland gehen.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er würde gern ins Ausland gehen.

Zeitangaben

Zeit- und Ortsangaben müssen bei Bedarf umgewandelt werden. Bei Zeitangaben kann dann zusätzlich ein Wechsel des Tempus nötig sein. Keine Umwandlung der Zeitangabe ist nötig, wenn die Aussage am selben Tag wiedergegeben wird. Wenn die Aussage aber zu einer späteren Zeit wiedergegeben wird, muss man die Zeitangabe und das Tempus ändern.

Beispiel: Zeit (Wiedergabe am selben Tag)
direkte Rede: Thomas: „Ich bin heute in Stuttgart.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er sei heute in Stuttgart.“.
(= keine Umwandlung)

Beispiel: Zeit (Wiedergabe am nächsten Tag)
direkte Rede: Thomas: „Ich bin heute in Stuttgart.“
indirekte Rede: Thomas sagte, er sei gestern in Stuttgart gewesen.“
(=Umwandlung)

Zurück zum Kapitel: Der Konjunktiv
Zum Inhaltsverzeichnis – Deutsche Grammatik 2.0




{ 16 comments… read them below or add one }

Afshin Kamali April 7, 2014 um 09:52

Ein sehr nützlicher Überblick,
wie ist es aber mit der Umwandlung von Modalverben (1) oder Umformung bei Aufforderungssätzen, in denen Wörtern wie bitte vorkommen (2)? oder bei Sätzen mit Konjunktiv II (3)?

(1) Er hat mir gesagt: “Du musst die Übung wiederholen.” oder
(2) Der Lehrer sagte zu dem Schüler : “Bring mir bitte die Kreide!”
(3) Er schieb seinem Freund: “Platz 1 könnte Dieter die Konkurrenz kaum streitig machen.”

Danke im Voraus!

Antworten

Anna Haßfurter März 17, 2014 um 16:15

Sehr geehrter Herr Professor,
wie würde man folgenden Satz von der direkten Rede in die indirekte Rede umsetzen:
“Der Hofeigentümer, der einen Abkömmling durch schlüssiges Verhalten zum Nachfolger bestimmt, setzt sich in Widerspruch zu seinem früheren Verhalten, wenn er einen anderen als Hofnachfolger bestimmt.”
Muss die indirekte Rede hier so lauten:
“Er meint, der Hofeigentümer, der einen Abkömmling durch schlüssiges Verhalten zum Nachfolger bestimmt, setze sich in Widerspruch zu seinem früheren Verhalten, wenn er jemanden anderen als Hofnachfolger bestimme.”

oder “… bestimmt.”
Mit freundlichen Grüßen,
Anna Haßfurter

Antworten

Uli Mattmüller März 18, 2014 um 19:34

Nach der Regel – die kaum jemand befolgt ;-) – müsste überall Konjunktiv I stehen, also zweimal “bestimme”:

“Er meint, der Hofeigentümer, der einen Abkömmling durch schlüssiges Verhalten zum Nachfolger bestimme, setze sich in Widerspruch zu seinem früheren Verhalten, wenn er jemanden anderen als Hofnachfolger bestimme.”

Antworten

David Böttger Dezember 6, 2013 um 17:02

Herr Professor,
hätte da mal eine Frage:
Wenn die direkte Rede : ,,Da habe ich meinen Helfern die Anweisung gegeben: ,Steckt die Kröten erstmal in Plastiksäcke und bringt sie dort drüben an den Rand der Wiese!” ” lautet, wie ist dann die indirekte Rede?

Vielen Dank
David Böttger

Antworten

Uli Mattmüller Dezember 6, 2013 um 17:04

Der Imperativ wird in der indirekten Rede mit dem Modalverb sollen ausgedrückt. …

Antworten

Tim Oktober 23, 2013 um 21:20

Könnten Sie einen Artikel zum Thema Zeitformen in der indirekten Rede schreiben? Der Duden gibt da nicht viel her.

Beispiel direkte Rede: Der Wirt sagte:“Ich will zehn Dollar dafür, dass du vom Geruch des Essens satt geworden bist.“

Indirekt wäre dann wohl: Der Wirt sagte, er wolle zehn Dollar dafür haben, dass Johnny vom Geruch des Essens satt geworden war (ist? sei?).

Stehe auf dem Schlauch.

Antworten

Uli Mattmüller Oktober 24, 2013 um 14:27

Lesen Sie hier den Abschnitt über Tempus: Umformung direkte Rede

Antworten

Chen, Wei Juli 5, 2013 um 09:11

zweite Frage,

“Ich wuensche mir, dass auch in der Zukunft die Vereine nicht an Bedeutung verlieren. ”

indirekt Rede.
Er sagt, er wuensche sich, dass auch in der Zukunft die Vereine nicht an Bedeutung verlieren wuerden. Ist dieser Satz korrekt?

viele Gruesse

Antworten

Uli Mattmüller Juli 5, 2013 um 16:04

Ja.

Antworten

Chen, Wei Juli 5, 2013 um 09:06

Hallo, Professor,

ist es auch korrekt, wenn ich so schreibe,

Thomas sagt, dass er neu in der Stadt sei. anstatt Thomas sagt, er sei neu in der Stadt.

Antworten

Uli Mattmüller Juli 5, 2013 um 16:03

Ja. das ist auf dieser Seite erklärt:

Indirekte Rede – Einführung

Antworten

Anna Juni 28, 2013 um 20:07

Hallo, Uli!
Vielen Dank für Ihre Arbeit, es gibt hier so viel Nützliches!

Eine kleine Frage: Ist in Ihrem Beispiel zum Futur II nicht das Futur I Zustandspassiv gebraucht?

Beispiel: Futur II
direkte Rede: Thomas: „Meine Promotion wird in zwei Jahren abgeschlossen sein.“
indirekte Rede: Thomas sagt, seine Promotion werde in zwei Jahren abgeschlossen sein.

Viele Grüße,
Anna

Antworten

Uli Mattmüller Juni 29, 2013 um 18:25

Wow, gut gesehen! ;-) Das habe ich übersehen. Ich habe das oben korrigiert. Jetzt ist das Beispiel im Aktiv. Vielen Dank für den Hinweis!

Viele Grüße

Uli

Antworten

nemin Juni 18, 2013 um 21:37

sehr interessant danke schön !!! ich habe die prüfung samstag hoffentlich werde ich es schaffen DSH ^^

Antworten

Uli Mattmüller Mai 4, 2011 um 09:54

Hallo Anatoli,

vielen Dank für das aufmerksame Lesen! Den Fehler habe ich gleich korrigiert.

Viele Grüße!

Uli Mattmüller

Antworten

Anatoli Strigin Mai 4, 2011 um 09:16

In einem Beispiel zur Umformung von direkter in indirekte Rede ist ein Fehler eingeschlichen, und zwar hier:

Beispiel: Verb und Personalpronomen
direkte Rede: Thomas: „Ich bin =>>neun in der Stadt.“
indirekte Rede: Thomas sagt, er sei neu in der Stadt.

MfG
Anatoli Strigin

Antworten

Leave a Comment