≡ Menu

Auf welchem Niveau sind meine Grammatikbücher? bzw. Für welches Niveau sind meine Grammatikbücher geeignet? Diese Frage stellen immer wieder Leser meiner Seiten, so wie z.B. hier:

Frage:

• michaela 19. Juli 2016, 19:35
Guten Tag!
Ich habe die beiden Bücher gekauft. Auf welches Niveau ist das (B1, B2)?
Danke

Antwort:

Ganz so einfach lässt sich die Frage – mal wieder ;) – nicht beantworten. Deshalb muss meine Antwort “leider” etwas ausführlicher ausfallen:

E-Book – “Deutsche Grammatik 2.0″

Die “Deutsche Grammatik 2.0″ ist ein Nachschlagewerk zur deutschen Grammatik, das sich bemüht die für Deutschlerner relevanten Kapitel der deutschen Grammatik möglichst einfach und verständlich darzustellen.

Einem bestimmten Niveau des Europäischen Referenzrahmens lässt sich das nur bedingt zuordnen, da es bei den Niveaudefinitionen des Referenzrahmens primär nicht um Grammatik geht, sondern um so genannte “Fertigkeiten”, also das, was der Lerner sprachlich (mit welcher Grammatik auch immer) ausdrücken kann.

Ich denke aber, dass mit der Deutschen Grammatik 2.0 (fast) alle Niveaus abgedeckt sind – zumindest von A1 bis C1. Im (oberen) Bereich von C2 gibt es sicher auch für Deutschlerner Themen, die selbst den meisten Muttersprachlern unbekannt sein dürften.

Auf diesem Niveau muss (und kann!) der Deutschlerner dann Grammatiken für Muttersprachler wie z.B. das Standardwerk Duden benützen. Umgekehrt dürfte die Benutzung einer einsprachigen Grammatik für absolute Anfänger oder Anfänger mit wenig Vorkenntnissen schwierig sein.

E-Book – “Übungsbuch Deutsche Grammatik 2.0 – Band 1 und 2″

Die beiden Übungsbücher bieten Übungen zu allen wichtigen Kapitel der Deutschen Grammatik 2.0 und sind somit auch für Lerner auf allen Stufen geeignet. Hier würde ich allerdings C2 ausnehmen, da nach C1 der Grammatikerwerb weitestgehend abgeschlossen ist.

Im Gegensatz zu eigentlich allen mir bekannten Übungsbüchern bietet das Übungsbuch Band 1 auch bei (vermeintlich?) einfachen Themen, die meist sehr früh im Deutschunterricht “gelernt” – und dann nie wieder angesprochen werden, Übungsmaterial auch für fortgeschrittene Deutschlerner.

Diese Übungen finden sich immer am Ende des jeweiligen Kapitels. Überhaupt steigt der Schwierigkeitsgrad in den einzelnen Kapiteln des Übungsbuchs nach hinten an. Wenn die Übungen am Anfang des Kapitels zu leicht sind, kann man diese also einfach weglassen. Ich habe das auch in den Benutzungshinweisen im Buch noch mal genauer erklärt.

Trotzdem finden sich im Übungsbuch Band 1 natürlich mehr Übungen für Anfänger (A1/A2) und fortgeschrittene Anfänger (B1), während das Übungsbuch Band 2 hauptsächlich Grammatikthemen für Fortgeschrittene (B2/C1) behandelt.

Weitere häufige Fragen zu meinen E-Books habe ich hier beantwortet: Häufige Fragen zu meinen E-Books

Regel für einteilige Verbformen

“Im Nebensatz steht das Verb am Ende”, diese vergleichsweise einfache Regel lernt man meist schon ziemlich früh im Deutschkurs. Was am Anfang einfach aussieht, wird mit der Zeit gelegentlich aber doch etwas schwieriger.

Das liegt nicht nur daran, dass man lernen muss, welche Konnektoren (Konjunktionen, Satzverbindungen) Nebensatz- bzw. Hauptsatzkonnektoren sind. Ein einfaches Beispiel sind die kausalen Konnektoren “weil” (Nebensatz) bzw. “denn” (Hauptsatz).

Beispiel: Haupt- vs. Nebensatzkonnektor
Nebensatz: Ich bleibe heute zu Hause, weil ich krank bin.
Hauptsatz: Ich bleibe heute zu Hause, denn ich bin krank.

Regel für mehrteilige Verbformen

Die Regel wird auch dadurch komplizierter, dass die Verbform häufig nicht nur aus einem Verb, sondern aus Verb plus einem (oder mehr) Hilfsverb(en) und evtl. einem Modalverb besteht.

Die Regel sagt dazu, dass bei mehrteiligen Verformen, der Verbteil ans Ende des Nebensatzes wandert, der im Hauptsatz in Position 2 gestanden hat.

Beispiel: zweiteilige Verbform
Hauptsatz: Der Arzt muss das Kind operieren.
Nebensatz: Er sagt, dass der Arzt das Kind operieren muss.

Beispiel: dreiteilige Verbform
Hauptsatz: Das Kind muss operiert werden.
Nebensatz: Er sagt, dass das Kind operiert werden muss.

Die Ausnahme von der Regel

Und wie die meisten Regeln hat auch diese Regel leider eine Ausnahme. ;)

Um euch diese Ausnahme zu erklären, solltet ihr euch an die Bildung des Perfekts mit Modalverb erinnern.

Standardsprachlich wird das Perfekt bei den Modalverben mit dem Präsens des Hilfsverb haben, dem Infinitiv des Modalverbs (nicht mit dem Partizip II!) und dem Infinitiv des Vollverbs („zweimal Infinitiv“) gebildet.

Beispiel:
Präsens: Der Arzt muss das Kind operieren.
Perfekt: Der Arzt hat das Kind operieren müssen.

Der Infinitiv von “müssen”, der hier anstelle des Partizips II (“gemusst”) zur Perfektbildung verwendet wird, wird auch als Ersatzinfinitiv (=Ersatz für das Partizip II) bezeichnet. Siehe dazu: Die Konjugation der Modalverben: Perfekt

Und wenn in einer Verbform der Ersatzinfinitiv mit einem anderen Infinitiv zusammentrifft, lautet die Regel vereinfacht gesagt so:

“Das Hilfsverb steht immer vor den beiden Infinitiven” – also auch im Nebensatz. (!)

Beispiel: Perfekt Aktiv
Hauptsatz: Der Arzt hat das Kind operieren müssen.
Nebensatz: Er sagt, dass der Arzt das Kind hat operieren müssen.

Das gilt auch für den Infinitiv Passiv.

Beispiel: Perfekt Passiv
Hauptsatz: Das Kind hat von dem Arzt operiert werden müssen.
Nebensatz: Er sagt, dass das Kind von dem Arzt hat operiert werden müssen.
(“operiert werden” = Infinitiv Passiv)

Selbstverständlich stammt diese Regel nicht von mir. ;) Wer an meinen Ausführungen zweifelt, kann das im Duden, Band 4, “Die Grammatik”, 8. Auflage auf den Seiten 472 – 476 bzw. unter den Nummern 679 – 687 nachlesen.

Welche Fragen meiner Leser ich sonst noch beantwortet habe, könnt ihr hier erfahren:

Leserfragen – Deutsche Grammatik 2.0

Das Thema “Das Verb und seine Ergänzungen” (und besonders die vom Verb benötigten Ergänzungen für Personen und Sachen) stellt für viele Deutschlerner eine der größten Schwierigkeiten der deutschen Sprache dar.

Um etwas Licht in die Sache zu bringen, habe ich auf der Seite Verben mit Akkusativ, Dativ, Präpositionalergänzung, Nominativ, Genitiv die Verbergänzungen für Personen und Sachen in “Haupttypen”, also die Ergänzungstypen, die am häufigsten vorkommen, etwas weniger verbreitete “Varianten” und “Ausnahmen”, die eher selten vorkommen, unterteilt.

Zu den (sehr) selten vorkommenden Ausnahmen habe ich den Ergänzungstyp “Nominativ + Akkusativ + Akkusativ” gezählt. (siehe: Verben mit Akkusativ, Dativ, Präpositionalergänzung, Nominativ, Genitiv unter “dreistellige Verben”), nach dem mich dieser Leser gefragt hat:

ibrahim 27. Juli 2016, 02:37

ich suche einen satz mit zwei akkusativ ohne preposition !!!!
ich weis nicht, ob er es gibt !!!
vielen dank

Wie ihr meiner Einführung entnehmen könnt, gibt es solche Verben tatsächlich, aber eben nur sehr selten. Und da ich diesen Ergänzungstyp für nicht besonders wichtig halte, habe ich bis jetzt keine Beispiele zu Verben mit zwei Akkusativen zusammengestellt.

Für alle, die das Thema trotzdem interessiert, will ich das aber gerne nachholen.

Ich habe spontan und nach kurzer Recherche in meinem Regal mit Grammatikbüchern folgende Verben mit zwei Akkusativergänzungen (ohne Präposition) gefunden:

Beispiele:
abfragen, (abhören): Ich habe Tobias (Akk) die neuen Wörter (Akk) abgefragt (abgehört).
kosten: Der Unfall hat drei Menschen (Akk) das Leben (Akk) gekostet.
lehren: Der Lehrer lehrt die Kinder (Akk) Mathematik (Akk).

Das Verb lehren wird aber auch mit Dativ verwendet.

Beispiel:
lehren: Der Lehrer lehrt den Kindern (Dat) Mathematik (Akk).

Ebenfalls mit zwei Akkusativen wird das Verb “heißen” in der speziellen Bedeutung “jemand mit einem Wort bzw. Ausdruck bezeichnen” gebraucht. Das gilt auch für einige Varianten von heißen wie z.B. “nennen”, “schelten”, “schimpfen”, o.ä.

Beispiele:
heißen: Er hat ihn einen Idioten geheißen. (genannt, gescholten, geschimpft)
taufen: Sie habe ihren Sohn (Akk) Peter (Akk) getauft.

Und schließlich habe ich noch das Verb “angehen” gefunden, bei dem der zweite Akkusativ nur pronominal vorkommt.

Beispiele:
Das geht dich (Akk) gar nichts (pron. Akk) an.

Es gibt wahrscheinlich noch das eine oder andere Verb, das man ergänzen könnte. Insgesamt ist das aber sicher kein Thema, mit dem ich mich als Deutschlerner lange beschäftigen würde. .. ;)

Welche Fragen meiner Leser ich sonst noch beantwortet habe, könnt ihr hier erfahren:

Leserfragen – Deutsche Grammatik 2.0