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Das Verb in Position 1

Frage- und Aufforderungssätze

Bei Satzfragen und bei Aufforderungssätzen im Imperativ steht das Verb in der Position 1. Nach dem Verb steht der Nominativ. Beim informellen Imperativ ist der Nominativ (= 2. Person Singular oder Plural) im Verb enthalten.

Beispiel: Satzfrage
Schläft das Baby?

Beispiel: Imperativ
Schlafen Sie mehr!

Beispiel: Informeller Imperativ
2. Person Singular: Schlaf jetzt!
2. Person Plural: Schlaft jetzt!

Konditionalsätze

Eine ungewöhnliche Ausnahme mit dem Verb in Position 1 sind Konditionalsätze ohne wenn.

Beispiel:
Konditionalsatz mit wenn: Wenn ich Geld hätte, würde ich in Urlaub fahren.
Konditionalsatz ohne wenn: Hätte ich Geld, würde in Urlaub fahren.

Irreale Wunschsätze

Dieselbe Struktur ist auch bei irrealen Wunschsätzen möglich, nur dass irreale Wunschsätze ohne Hauptsatz stehen.

Beispiel:
Irrealer Wunschsatz mit wenn: Wenn er doch endlich kommen würde.
Irrealer Wunschsatz ohne wenn: Würde er doch endlich kommen.

Partizip II (Perfekt) und Infinitiv in Position 1

Bei Sätzen, in denen das Verb in der Satzklammer am Ende des Satzes steht, kommt eine Hauptinformation des Satzes erst ganz am Ende. Deshalb kann in solchen Sätzen das zweite Verb bzw. der zweite Teil des Verbs vom Ende des Satzes in die Position 1 gestellt werden, wenn das Verb besonders wichtig erscheint.

Beispiel: Perfekt = Partizip Perfekt in Position 1
normale Verbposition: Er hat schon seit vielen Jahren nichts mehr getrunken.
Verb in Position 1: Getrunken hat er schon seit vielen Jahren nichts mehr.

Beispiel: Passiv = Partizip Perfekt in Position 1
normale Wortposition: Er wurde bei dem Unfall zum Glück nicht verletzt.
Verb in Position 1: Verletzt wurde er bei dem Unfall zum Glück nicht.

Beispiel: Futur = Infinitiv in Position 1
normale Wortposition: Die Party wird um 21.00 Uhr beginnen.
Verb in Position 1: Beginnen wird die Party um 21.00 Uhr.

Beispiel: Modalverb = Infinitiv in Position 1
normale Wortposition: Sie will erst nächstes Jahr heiraten.
Verb in Position 1: Heiraten will sie erst nächstes Jahr.

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3 Kommentare… add one
  • Martin Herbst 7. Oktober 2015, 12:31

    Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren wie eigentlich solche “Prädikatsteil vor Subjekt”-Sätze aus der Alltagssprache zu werten sind, wie ich sie oft höre und selbst verwende:
    “Hat er mir doch einfach die Zunge herausgestreckt!”
    “War ich doch gerade deshalb so früh aufgestanden, damit …”
    Ist das nur mündlich und in wörtlicher Rede zumutbar?
    Gibt es dafür einen Terminus technicus?

  • Uli Mattmüller 7. Oktober 2015, 13:04

    Gibt es möglicherweise, aber ich weiß es im Moment leider auch nicht. ..

  • sonnentag elisabeth 17. Mai 2014, 12:08

    … ist der Konditionalsatz ohne -wenn- mit der Spitzenstellung des verbs tatsächlich so außergewöhnlich?
    (übrigens -obiges Beispiel hat im hauptsatz das Wörtchen – ich- vergessen)
    Goethe, Erlkönig
    “und bist du nicht willig, so brauch ich gewalt” sagt der Erlkönig.
    gruß e.s.

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