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Der Gebrauch des Infinitivs

[Zur Formbildung des Infinitivs: Der Infinitiv - Die Grundform des Verbs]

Bildung von Verbformen

Die Infinitive des Verbs verwendet man zur Bildung von Verbformen mit und ohne Modalverb.

Verbformen ohne Modalverb

Beispiele: Verbformen mit Infinitiv Präsens Aktiv
Futur I: er wird fragen
Konjunktiv II: er würde fragen
Konjunktiv I Futur: er werde fragen

Beispiele: Verbformen mit Infinitiv Perfekt Aktiv
Futur II mit sein: er wird gefahren sein
Konjunktiv I Futur II mit sein: er werde gefahren sein
Futur II mit haben: er wird gefragt haben
Konjunktiv I Futur II mit haben: er werde gefragt haben

Beispiele: Verbformen mit Infinitiv Präsens Passiv
Futur I: er wird gefragt werden

Beispiele: Verbformen mit Infinitiv Perfekt Passiv
Futur II Passiv: er wird gefragt worden sein

Verbformen mit Modalverb

Den Infinitiv Präsens Aktiv verwendet man auch zur Bildung der aktiven Formen mit Modalverb.

Beispiele:
Präsens: er will fragen
Präteritum: er wollte fragen
Perfekt: er hat fragen wollen
Plusquamperfekt: er hatte fragen wollen
Futur I: er wird fragen wollen
Futur II: er wird haben fragen wollen

Den Infinitiv Präsens Passiv verwendet man auch zur Bildung des Passivs mit Modalverb.

Präsens: er muss gefragt werden
Präteritum: er musste gefragt werden
Perfekt: er hat gefragt werden müssen
Plusquamperfekt: er hatte gefragt werden müssen
Futur I: er wird gefragt werden müssen
Futur II: er wird haben gefragt werden müssen

Ergänzungssätze mit zu + Infinitiv

Der Infinitiv + zu kann einen Ergänzungssatz zu einem Verb bilden. [siehe dazu auch: Einführung: Nebensätze als Ergänzung]. Ergänzungsätze mit zu + Infinitiv nennt man auch Infinitivsätze (mit zu).

Beispiel: Infinitivsatz mit zu
Ich habe versprochen, sie morgen zu besuchen.
Er glaubt, krank zu sein.

Zu den Infinitivsätzen mit zu: Infinitivsätze mit zu

Attributsätze mit zu + Infinitiv

Infinitivsätze mit zu können auch Attributsätze sein.

Beispiel: Infinitivsatz als Attribut
Die Schwierigkeit, nach dem Studium eine Arbeit zu finden, wird von vielen Studenten unterschätzt.

Mehr Beispiele für Infinitivsätze als Attribut: Weitere Attributsätze

Satzverbindung mit Konjunktion + zu + Infinitiv

Beispiele:
um zu: Ich lerne jeden Tag, um meine Deutschprüfung zu bestehen.
anstatt zu: Anstatt die Hausaufgaben zu machen, geht er lieber mit seinen Freunden ins Kino.
ohne zu: Er ging ins Ausland, ohne sich zu verabschieden.

Mehr zur Satzverbindung mit Konjunktion + zu + Infinitiv:
Finale Satzverbindung: damit, um zu, zu
Modale Satzverbindung (I): (an)statt dass/zu, als dass, stattdessen, (an)statt
Modale Satzverbindung (II): ohne dass/zu, ohne

Nominalisierter Infinitiv

Der Infinitiv kann mithilfe des neutralen Artikels das nominalisiert werden.

Beispiele: nominalisierte Infinitive
essen – das Essen: Das Essen in der Mensa schmeckt mir nicht.
gehen – das Gehen: Das Gehen fällt meinem Opa schwer.
schreiben – das Schreiben: Das Schreiben einer Textproduktion auf Deutsch macht mir viele Probleme.

am + nominalisierter Infinitiv

Eine Struktur, die der englischen Verlaufsform (progressive form) ähnlich ist und deren Bedeutung entspricht, ist am + nominalisierter Infinitiv. Diese Form gilt im Deutschen aber als umgangssprachlich.

Beispiele: am + Infinitiv
Ich bin am Arbeiten.
(=Ich arbeite gerade/im Moment.)
Sie sind am Essen.
(=Sie essen gerade/im Moment.)

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Zum Inhaltsverzeichnis – Deutsche Grammatik 2.0



17 Kommentare… add one
  • Kai Degen 24. November 2016, 22:41

    Die Frage ist zwar schon ein wenig älter, dennoch denke ich, ich könnte noch meinen Senf dazugeben.

    “gehen” [+Modaladverb/Temporaladverb] +Infinitiv kann umgangssprachlich immer dann als Hilfsverb zur beabsichtigten, unmittelbar bevorstehenden Zukunftsbildung verwendet werden, wenn mit der zukünftigen beabsichtigten Handlung ein Ortswechsel verbunden ist. Dieser Ortswechsel muss nicht zwangsläufig zu Fuß erfolgen.

    Ich gehe noch einkaufen, ich gehe gleich die Wäsche machen, ich gehe noch schwimmen, ich gehe arbeiten – also Beispiele, die alle mit einem Ortswechsel verbunden sind.

    Wenn allerdings kein Ortswechsel vorliegt, dann klingt “gehen” komisch, z. B. wenn man bereits am Computer sitzt, sagt man eher nicht “ich gehe noch einen Facebook-Kommentar schreiben.” Im “Hilfsverb” steckt dafür einfach noch zu viel Vollverb drin ;)

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