Verben mit zwei Partizip-II-Formen



Zu einigen Verben gibt es zwei Partizip-II-Formen. Das hat unterschiedliche Gründe.

Das Verb hängen

Das Verb hängen, das man transitiv und intransitiv benützen kann, hat ein regelmäßiges und ein unregelmäßiges Partizip.

Beispiel: Partizip II von hängen
transitiv („Richtung“) = gehängt: Ich habe die Jacke in den Schrank gehängt.
intransitiv („Position)“ = gehangen: Die Jacke ist (hat) im Schrank gehangen.

Verben mit zwei Bedeutungen

Einige Verben mit zwei Bedeutungen haben ebenfalls zwei Partizipien.

schleifen
1. „glatt machen“ = geschliffen: Das Wasser hat die Steine glatt geschliffen.
2. „hinter sich herziehen“ = geschleift: Er hat den Sack hinter sich her geschleift.

bewegen
1. “veranlassen“ = bewogen: Niemand weiß, was ihn zu dieser Tat bewogen hat.
2. „Position verändern“ = bewegt: Er hat sich im Urlaub keinen Meter bewegt.

schaffen
1. „produzieren (Kunst)“ = geschaffen: Der Maler hat ein großes Werk geschaffen.
2. „erfolgreich beenden“ = geschafft: Er hat die Prüfung beim ersten Mal geschafft.

scheren
1. „Schafe rasieren“ = geschoren: Im Frühling werden die Schafe geschoren.
2. „sich kümmern“ = geschert: Er hat sich nicht um seine Kinder geschert.

wiegen
1. „Gewicht messen“ = gewogen: Sie hat das Baby gewogen.
2. „hin und her bewegen“ = gewiegt: Sie hat das Baby gewiegt.

Unregelmäßige Verben im Übergang

Bei einigen wenig benutzten unregelmäßigen und gemischten Verben wird heute meist eine regelmäßige Form gebraucht, so dass eine alte unregelmäßige Form, die man besonders in älteren Texten findet, neben einer aktuellen regelmäßigen Form existiert. Diese Verben könnte man als unregelmäßige Verben im Übergang bezeichnen.

Beispiel: speisen (unregelmäßiges Verb im Übergang)
unregelmäßig (alt): ich habe gespiesen
regelmäßig: ich habe gespeist

Beispiel: senden (gemischtes Verb im Übergang)
gemischt (alt): ich habe gesandt
regelmäßig: ich habe gesendet

Achtung: Das gilt nur für die Bedeutung “schicken” des Verbs senden. In der Bedeutung “(Fernsehen, Radio) senden” wird das Verb nur regelmäßig konjugiert.

Beispiel:
“schicken”: Er hat den Brief durch einen Boten gesendet/(alt:) gesandt.
“senden”: Das Fernsehen hat das Spiel live gesendet.

Umgangssprachliche Partizipien

Bei einigen Verben werden in der Umgangssprache unregelmäßige Partizipien gebildet. Standardsprachlich ist das regelmäßige Partizip.

Beispiele: umgangssprachlich unregelmäßiges Partizip II
Infinitiv – umgangssprachlich – standardsprachlich
streifen – gestriffen – gestreift
winken – gewunken – gewinkt
niesen – genossen – geniest
schalten – geschalten – geschaltet
falten – gefalten – gefaltet

Zum Verb scheinen wird in der Umgangssprache gelegentlich ein regelmäßiges Partizip II gebildet. Standardsprachlich ist das unregelmäßige Partizip.

Beispiele: umgangssprachlich regelmäßiges Partizip II
Infinitiv – umgangssprachlich – standardsprachlich
scheinen – gescheint – geschienen

Grammatikübungen zu Partizipien

Zurück zum Kapitel: Das Partizip II
Zum Inhaltsverzeichnis – Deutsche Grammatik 2.0




{ 4 comments… read them below or add one }

JOe November 1, 2013 um 12:42

“anscheinend”!
:-)

Antworten

Mara Juni 16, 2013 um 21:18

Ich meine natürlich: “Ich habe scheinbar nie…”

Antworten

Mara Juni 16, 2013 um 21:16

Ach du Gott. Meine Welt bricht gerade zusammen. Ich abe scheinbar nie korrektes Deutsch gesprochen.

Antworten

Uli Mattmüller Juni 17, 2013 um 11:24

Naja, das zeigt nur, dass es gelegentlich einen Unterschied zwischen Standardsprache und gesprochener Sprache gibt …

Antworten

Leave a Comment